Leseproben:

 

Hans Witteborg

Wintertrübung

Von strahlend weiß zu grieslich grau
wechselnd ist die Wetterlage,
dennoch bleibt der Winter rauh
trüb und regnerisch die Tage.

Auch die Stimmung färbt sich ein
unstet wie die Himmelslaunen,
Griesgram tritt zur Tür herein,
Lachen wird verschwommenes Raunen.

Doch die Himmelswasser fallen
unbeirrt und gnadenlos.
Bäche und die Flüsse wallen
talwärts, reißend mit Getos.

Und in dieses kalte Weinen
mischt sich ein das Klagelied,
wimmernd wie verlorene Seelen,
wenn der Wind die Wipfel wiegt.

 

Versteckter Schatz

Tief, sehr tief im Herzen
liegt versteckt
ein Rest von dem, was ich
für dich empfand.
Ich habe neulich es entdeckt
nahm es behutsam
an die Hand
und führte es an seinen
alten Platz;
behüte es wie einen wahren Schatz
und freu mich darauf
wie ein Kind,
wenn Herz zu Herz
sich wiederfind.



Sonnenaufgang am Meer

Am Horizont zeigt sich ein heller Streifen
Noch spült ein müdes Wasser leeren Strand.
Von fern ertönt ein erstes Möwenkreischen
Nur zarte Rillen zeichnen sich als Spuren in den Sand.

Die dunkle Wasserlinie trennt sich ab
vom Himmel, der sich rötlich beginnt einzufärben,
ein roter Ball erhebt sich scheinbar aus dem Meeresgrab,
der letzte Schleier Dunkelheit beginnt sein Sterben.

Der rote Ball wird hell und heller, schwebt,
scheint auf dem Horizont zu rollen.
Das Meer, es sprenkelt, glitzernd wie belebt
und farbig kleine Wolken sich am Himmel tollen.

Der Wind frischt auf und bläst den Tag in diese Welt.
Pfeilschnelle Schwalben schneiden Himmelsbläue
und mit den ersten Stimmen friedlich Ruh zerfällt,
das Leben emsigen Tags beginnt aufs Neue.

 

Wenn die Welt in Scherben geht

Trage nicht der Trauer Schwärze,
wenn man deine Wälder schlägt
weil in deinem großen Herze
Hoffnung ist, die das erträgt.

Weine nicht um deine Meere,
die man heute überfischt;
ist in Bälde große Leere
ist dein Grund wie aufgewischt.

Schrei nicht, wenn man deine Kruste
anbohrt, sprengt und Löcher reißt,
Schätze plündert und bewußte
Schäden einfach von sich weißt.

Halte deinen Zorn zurück,
wenn das Gift Gewässer trübt
und dein Boden Stück für Stück
unfruchtbar im Wind zerstiebt.

Lächle weiter, schöne Welt,
ertrag der Menschen Unvernunft!
Wenn die Erd´ in Scherben fällt,
fällt mit dir der Menschheit Zukunft!



Zettelwirtschaft

Randbemerkung, Kurznotizen, Zettelwirtschaft überall,
Chaos ist, wohin man schaut
Ordnung ist nicht so mein Fall.

Ungeordnet die Gedanken, kreuz und quer
geht´s durch´s Gehirn
und die Zettel auf dem Schreibtisch:
Abbild hinter meiner Stirn.

Husch und fort und schon gestrichen,
schnell verworfen, was nicht gut,
aus dem Schmierblock rausgerissen
und zerknüllt in meiner Wut.

Endlich fussen die Gedanken, denn ich komme
gut in Fluss
und so schreib ich und bedenk´ nicht,
dass ich´s später lesen muss.
Auf den Zetteln eng beschrieben
krakelig ist das Malheur
schön gedacht - doch zu entziffern ist es leider
nun nicht mehr.

Randbemerkung, Kurznotizen, Zettelwirtschaft überall -
Diagnose meiner Frau:
„ wirklich hoffungsloser Fall!“